Januar 2016, echtes Winterwetter: stürmisch, kalt, Schneeschauer im Dauerabo. Eine besorgte Naturschützerin ruft an: "Auf dem Flachdach eines 17-stöckigen Hochhauses sitzt ein Uhu, dreht den Kopf hin und her und macht klagende Geräusche. Es geht dem Vogel schlecht! Bitte helfen Sie!“
Da es schon dämmert, sage ich vorsichtig: „Beobachten Sie ihn noch ein wenig – wenn er schon so hoch geflogen ist, kann es ihm eigentlich nicht so schlecht gehen.“ Ich ahnte noch nicht, dass dieser Uhu mir das ganze Wochenende versüßen würde…
Am nächsten Tag sitzt der Uhu immer noch da. Die Feuerwehr wird gerufen, schweres Gerät, Drehleiter – alles umsonst. Samstagabend ruft die Dame erneut, verzweifelt: „Er geht nicht weg! Ich kann das nicht mehr ansehen!“ Nun konnte ich nicht mehr wegsehen. Sonntagmorgen 7 Uhr, stürmisch, dunkel, eiskalt – ich stehe auf dem Hochhaus, ausgerüstet mit Kescher, Transportbox und Falknerhandschuh. Dutzende Helfer warten schon, gespannt auf meine Fachkompetenz.
Die Dachluke wird geöffnet – und da sitzt er: lebensgroß, Kopf bewegt sich, klagende Laute – der Uhu! …Moment. Genau hingesehen: Es war kein echter Vogel, sondern eine Attrappe. Mit beweglichem Kopf und einer Tröte, in der sich der Wind verfängt.
Hintergrund: Die Fassade war früher von Spechten durchlöchert worden. Um die ungebetenen Gäste zu vertreiben, hatte man den naturgetreuen Plastik-Uhu angebracht. Und ich? Stand auf einem Hochhaus, mitten im Sturm, bereit, einen Uhu zu retten, der nie wirklich in Gefahr war.
Manchmal ist es die Natur – und manchmal ist es einfach nur ein Plastik-Uhu, der das Wochenende aufregend macht.

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Kerstin (Dienstag, 30 Dezember 2025 10:13)
Was für eine nette Geschichte
Connie (Dienstag, 30 Dezember 2025 10:15)
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