Also ehrlich – ich wollte doch nur jagen. Ein kurzer Ausflug in die Nachtluft, ein bisschen Großstadtluft schnuppern, dachte ich. Und dann: grelles Licht, laute Musik, Menschen in seltsamen Kleidern, die johlend durch die Straßen schwanken. Ich weiß bis heute nicht genau, wie ich dort gelandet bin – irgendwie war ich erst zwischen den Bierzelten des Oktoberfestes - und dann ja, am Hauptbahnhof, Leuchtreklamen und einem Haus mit… sagen wir mal, ungewöhnlicher roter Beleuchtung.
Ich war benommen, ein wenig schwindlig – der Lärm, das Blinken, das Chaos. Und plötzlich beugt sich jemand über mich, ruft laut: „Da ist ein Kauz!“
Schon sitze ich in einer Schachtel – warm, aber eng. Ich höre Stimmen, Lachen, High Heels auf Pflasterstein. Und dann kommen sie: die „Damen des Hauses“. Freundlich, fürsorglich, und ja – etwas sehr spärlich gefiedert, äh, bekleidet. Sie haben mich wirklich gut bewacht, bis Hilfe kam.
Kurze Zeit später taucht ein Mensch mit ruhiger Stimme auf, trägt mich hinaus in die kühle Nacht. Endlich Stille. Endlich Luft. In einer Box geht’s dann Richtung Otterfing. Dort riecht es nach Streu, Wärme und Sicherheit. Mein Flügel schmerzt ein wenig, aber nichts ist gebrochen – nur mein Stolz.
Ein, zwei Tage Ruhe, gutes Futter, freundliche Stimmen – und schon fühle ich mich wieder wie ich selbst. Die Menschen nennen es „Anflugtrauma“. Ich nenne es: „eine Nacht, die ich so schnell nicht vergesse“.
Jetzt fliege ich wieder – frei, wachsam, weit weg vom Stadtlärm. Und wenn ich mal ein Flackern in der Ferne sehe, weiß ich: Nein danke, diesmal bleibe ich lieber über den Dächern. Diese Menschenpartys sind wirklich nichts für einen ordentlichen Kauz wie mich!

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