Geschichten der Schützlinge der Auffang- und Pflegestation für Greifvögel und Eulen
Manche der tierischen Patienten haben bewegte Geschichten hinter sich: Verletzte Greifvögel, erschöpfte Eulen oder Jungvögel, die ohne Hilfe keine Chance gehabt hätten.
Hier erzählen wir von ihren Wegen – vom Moment der Rettung, über die Pflege in der Station, bis hin zur Rückkehr in die Freiheit.
Jede dieser Geschichten zeigt, wie wichtig es ist, hinzusehen, zu helfen und Verantwortung für unsere Natur zu übernehmen.
Ich erinnere mich an den Tag, an dem der Wind so stark war, dass er mich trug, als wäre ich schwerelos. Ich kreiste über einer Wiese, jagte den Schatten einer Maus – und dann kam dieses Geräusch. Ein kurzes, hartes Zischen, ein Ruck – und plötzlich war alles anders.
Etwas zog an meinem Flügel. Metall, kalt und gnadenlos. Ich zerrte, schlug mit den Flügeln, doch der Schmerz schnitt tiefer, je mehr ich mich wehrte. Der Wind blies über mich hinweg, als würde er mich rufen, aber ich konnte nicht folgen. Stunden vergingen. Dann wurde es still.
Irgendwann hörte ich Schritte. Stimmen. Hände kamen näher. Ich wollte schreien, fliehen – doch sie taten mir nichts. Ganz vorsichtig lösten sie den Draht, Millimeter für Millimeter. Jede Bewegung war ein kleiner Stich, aber dann war ich frei.
Jetzt bin ich hier – in der Auffangstation. Es ist warm. Mein Flügel ist verbunden, und manchmal summt ein Mensch leise vor sich hin, während er nach mir sieht. Es riecht nach Heu und nach Leben. Ich spüre, wie die Schmerzen langsam weniger werden.
Draußen höre ich andere Vögel. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, wie sich der Wind wieder unter meinen Flügeln anfühlt. Eines Tages werde ich zurückkehren – über Felder, über Wälder, hoch hinauf in den Himmel.
Und jedes Mal, wenn ich den Wind spüre, werde ich mich an jene Hände erinnern, die mich befreit haben.
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Mit Genehmigung von Alfred Aigner und Kerstin Wießer-Buchholz